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FichKona
Datum: 26./27.6.2010 ¦ Startzeit: 10 Uhr ¦ Fahrtzeit netto: 21h 45min ¦ Fahrtzeit brutto: 25h 15min ¦ Distanz: 637,4 km ¦ AveSpeed: 29,9 km/h ¦ Höhenmeter: 2.375
Ausgeschriebene 601 km nonstop. Und es sollten lustige 30 km mehr werden. Aber erstmal zum Anfang.

Mit Mietwagen und allem Drum und Dran erneut Tetris gespielt und ab gings zum Fichtelberg im Erzgebirge. Nach vorheriger falscher Hotelbuchung (das erste war zunächst 100 km vom Startort entfernt) noch schnell ein Doppelzimmer im Fichtelberghaus unterwegs gebucht. Gegen 21 Uhr sind wir dann endlich da und gehen erstmal im Restaurant was futtern und ein kühles Bierchen genießen. Überall sitzen sie ... vereinzelt oder in Gruppen ... alle werden sie sich morgen in den Sattel schwingen und von diesem so schnell erstmal nicht wieder heruntersteigen. Die Kellnerin wünscht jedem noch viel Spaß und ne gute Tour. Wir gehen dann auch alsbald aufs Zimmer, Schlaf vorholen.
Der nächste Morgen. Es ist neblig, die Sicht kaum 20 Meter weit. Wir können aus dem dritten Stock gerade so das erste FichKona-Begleitfahrzeug erkennen. Es ist auch kalt. Fichtelberg halt. 1.214 m in der Höh merkt man dann doch. Wir schlurfen zum Frühstück. Überall sitzen sie ... vereinzelt oder in Gruppen ... alle werden sie in zwei Stunden im Sattel sitzen und von diesem so schnell erstmal nicht wieder heruntersteigen. Nach dem Frühstück noch mal aufs Zimmer, nochmal kurz ins Bettchen gelegt ... oh, du geliebte weiche Matratze ... bye bye. Wir packen und verlassen das Hotel. Draußen noch die Startunterlagen geholt und dann zum Auto, Räder zusammenbasteln. Neben uns ein Fahrer für Gruppe eins. Man sieht es ihm an. Der kann das. Plant mit seinen Kollegen schon, wie lang sie brauchen wollen. von 20 Stunden reden sie. Na, das hat ja dann mal geklappt, was?! :-)
09:55 Uhr ... jetzt wirds Ernst. Wir stehen ganz am Ende des riesigen Trosses. In der Ferne ertönt der Startschuss. Die ersten Kilometer saust das Feld in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit den Fichtelberg hinab. Jeder sieht zu, wie er das am besten kann, die ersten Lücken müssen geschlossen werden. Nach gefühlter 30minütiger Abfahrt rollts hügelig weiter. Das MDR-Auto setzt sich blöderweise vor uns, wir kriegen nicht wirklich Windschatten, weil die nicht konstant fahren, wollen vorbei, MDR ärgert uns, gibt Gas. Zwei Kurven weiter dann aber klappt es. Husch, husch vorbei und wieder am Feld. Warmer Windschatten. Fein!
Am Streckenrand stehen vereinzelt Zuschauer mit lustigen Schildern wie "Nur noch 500 km". Das macht Mut!
Das Tempo ist hoch, die Strecke hügelig und soll bis Grimma im Schnitt bergig bleiben. Tempo bleibt weiterin hoch. Ich beginne zu zweifeln. Fühle mich an die Prügeltour der LE-Biketour erinnert und schiebe ein wenig Panik. Wie soll ich das schaffen, bin doch jetzt schon total im Arsch. Die erste Pause. Danke! Ist echt nötig. Haben Hunger, Puls muss runter, Sachen, die uns bei der kühlen Abfahrt schützten, müssen reduziert werden und ich muss mal kurz nachdenken, mich beruhigen. Es geht weiter, wir reihen uns ein wenig weiter vorn ein, dort ist der Windschatten ein wenig besser. Gruppe 4 trennt sich bereits hier. Die Pause soll für sie ein wenig länger sein.
Das Tempo bleibt zunächst hoch.
In der zweiten Pause entscheiden wir uns für die Weiterfahrt in Gruppe 3. Für die zweite hatten wir uns angemeldet, aber das Anfangstempo war einfach zu hoch.
Grimma ist ausgeschrieben. Grimma - das heißt, die Berge werden ein Ende haben. Fein!
Gruppe 3 ist gut, die ist lustig und macht Spaß. Wir sind eine überschaubare Zahl, in den Pausen wird es demnach nicht zu eng, das Tandem ist bei uns und der Frauenanteil ist hier auch am größten ;-)
Es geht nun flach weiter. Wir rollen munter weiter. Die Landschaft ist reizvoll, die Straßen hervorragend, die Führungsarbeit wird kameradschaftlich geteilt, die Gruppe pendelt sich ein, das Tempo wird spitze und für jeden gut zu fahren.
Kurze Routenführung über einen Radweg. Es sind ein paar zivile Radfahrer unterwegs.
Aber der Radweg war eine weise Alternative zur nebenliegenden Kraftfahrstraße und außerdem auch ein Erlebnis der ganz eigenen Art :-D (sh. Fotos .. man könnte meinen, Mutti würde mitfahren.)
[Ich stelle mir vor, ich fahr einfach wie immer, denk mir nichts bei. Oh, da will jemand vorbei. Gut. Bitteschön. Was'n nu los? Wieviele kommen denn noch? Eine Stunde später zu Hause oder wo auch immer: Sitze am Tisch, trinke Kaffee, lese Zeitung, versteh aber kein Wort. Schaue auf. Denke nach. Schüttel kurz den Kopf. Ne ... da war nüscht. Ich muss wohl geträumt haben.]
Wir gehen irgendwann auch mal in die Führung. Das läuft gut, dauert aber leider nicht lang. Führungsfahrzeug hält uns an. Tandem futsch! Das ist echt traurig!
Wir gehen danach ein paar Reihen hinter der Führung rein und sollten auch bald wieder dran sein. Ich kann aber ehrlich nicht und bitte Guido bei Führungswechsel mit rauszugehen. Wir kriegen nen ordentlichen Anschnauzer von einem der zu Ambitionierten im Feld. Netter wär besser gewesen, auch wenn er Recht hatte. Sind dann wieder ein paar Reihen hinter der Führung drin. Guido irgendwo vor mir. Er führt alsbald wieder mit Nebenmann. Dauert nicht lang, dann wär ich an der Reihe. Mein Nebenmann aber verabschiedet sich urplötzlich nach hinten! Fahre kurz allein in der Führung, bis sich dann aber ein Kollege aus Jena zu mir gesellt.
[Lücke .... wir können nicht alle Eindrücke wiedergeben. Dafür war die Tour zu lang. Wir gehen an dieser Stelle also einfach über zur Nacht.]

Nacht. Kleine Funzeln bewegen sich über die Straßen. Surren, nur Surren. Die Gruppe schweigt, schläft vielleicht sogar irgendwie ein wenig. AUFWACHEN! Jedoch, uns selbst das zuzuflüstern bringt nichts. Doch dann ... oh! Was'n das für ne tolle Straße. Meine Laufräder klingen ja geil. Ach ne! Echt! Ich kann nich mehr! Sage Guido, dass ich nich mehr ans Feld ranfahren kann, und das sage ich nicht einfach nur so. Wundere mich, er wundert sich. Nach gemeinsamen Wundern entschließen wir uns, uns dann doch mal nach hinten fallen zu lassen. Hand heben. Wir vermuten Defekt. Begleitfahrzeug setzt sich neben uns. Ach du lieber Scholli .... voll runter, nix Luft, Platten, mehr als das! Ich bin die letzten 2 km auf der Felge gefahren!!
[Wenn du dir nicht sicher bist und nicht einschätzen kannst wie erschöpft und müde du bist, so halte bei jedem komischen Geräusch lieber an und sieh gründlich nach. Nicht jeder Asphalt bringt schöne Geräusche, es kann auch mal die Carbon-Felge sein.]
Ich stelle mich schonmal darauf ein, bis zur nächsten Pause im Auto mitfahren zu müssen (Das ist so Regel und macht auch Sinn) oder im schlimmsten Fall für den Rest der Tour. ;-( Guido verabschiedet sich also und fährt schnell wieder ans Feld. Auto is aber voll. Sitzen schon unfreiwillig Aufhörende drin. Annemarie aber bietet mir sofort ihr Laufrad an.
[Vielen Dank! Das ist nicht selbstverständlich! Ich kanns im Übrigen noch immer nicht fassen!]
Zum Glück auch Zehnfach. Schaltung funkioniert einwandfrei. Ich roll schonmal los. Auto packt noch mein Laufrad ein und fährt an mich ran. Setzt sich dann neben mich, nehmen mich ans Fenster, um mich wieder ranzufahren. Da vorn aber eine relative scharfe Kurve kommt und ich es nicht gewohnt bin, diese am Auto hängend zu fahren, bitte ich um kurze alleinige Weiterfahrt. Das mach ich dann auch. Mmh ... wieso kommen die denn nicht wieder neben mich? Naja, macht ja Spaß. So werd ich wenigstens wieder munter. Sie rufen mir dann irgendwas zu. Ich versteh das aber nicht und nicke nur. Wird schon stimmen. Oh ... da vorne sind so viele niedliche kleine Funzeln. Das Feld! Alter Schwede ... das ging flott.
Ich setz mich neben Guido. Der freut sich, sagt mir, er hatte schon eine Träne im Knopfloch, weil er auch damit rechnete, dass ich nicht würde weiterfahren können.
Dann kommt auch schon die nächste Pause an der Tankstelle. Ich erfahre, dass das Feld zu Temporeduzierung verdonnert wurde, weil zunächst Guido und dann auch ich ranfahren mussten. Kriege aber trotzdem Lob für meine flotte Alleinfahrt. Über 30 warens auf jeden Fall und deswegen haben sie mich auch nicht wieder ans Fenster genommen, weil ich allein schneller war.
Reifen ist nicht zu reparieren. Schlauchreifen ... ich mag dich nicht! Annemarie aber gibt mir ihr Laufrad nun auch für die Weiterfahrt! Vielen lieben Dank! Ich bin so froh! Ich kann und darf weiterfahren. Und munter bin ich nun auch wieder.
Es geht weiter. Die restliche Nachtfahrt rollt ruhig weiter. Doch plötzlich huppelt Guido neben mir kurz. Fluchen. Wundern. Nach hinten entschuldigen, dass er den Huckel nicht eher gesehen hat. Naja, war nicht weiter schlimm, der Huckel nur wohl irgendwie komisch weich.
Potsdam - Polizeieskorte. Potsdam ... du hast bessere Straßen als Berlin. Postdam ... deine Durchfahrt war schnell und schön. Es ist zwischenzeitlich auch wieder hell geworden.
[Nächste Lücke. Naja, Brandenburg halt.]
Stralsund. Wir dürfen über die Brücke fahren. Der Wahnsinn. Ein Anblick! Die Brücke allein, dann das Wasser! Nun ist es ja wirklich nicht mehr weit. Annemarie sitzt auch wieder im Sattel, steht die Schmerzen durch und hat auch ein Laufrad geborgt bekommen. Ich hab ihres ja noch immer.
Rügen ... huhu. Wir sind da. Ich war selbst noch nie auf Rügen und hätte nich gedacht, dass das hier nochmal ne Ecke dauern wird. Aber is eh alles Wurscht. Sitzen können wir schon lang nicht mehr.
Rügen, du bist groß. Das wusste ich schon. Aber so groß? Und wieso steht Kap Arkona eigentlich nicht ausgeschrieben? Das dauert... Das zieht sich... Aber hey! - Wir sind auf Rügen angekommen. Den Rest schaffen wir jetzt auch noch. Eine lange Kopfsteinpflasterpassage folgt, die jeder in seinem Tempo fährt. Das reißt die Gruppe ein wenig auseinander. Folglich haben wir danach nochmal Spaß (und das ist positiv gemeint), schnell ans Feld ranzusausen. Wir fahren an unserem Schlafplatz vorbei. Das ist gemein! Noch 8 km bis zum Kap. Das Feld ist wieder zusammen. Auf den letzten Metern dann nochmal Kopfsteinpflaster. Die Frauen sollen nach vorn und als erste durchfahren. Doch zunächst: 10 Meter vor dem Ziel der einzige Sturz auf der ganzen Tour in unserer Gruppe. Kleiner Spaßvogel! Er rappelt sich jedoch wieder auf. Weiter gehts. Ankunft. Beifall erwartet uns und ein wohlverdientes kühles Bier! (oder auch mehr)
Prost!
Nach ungefähr zwei Stunden gehts dann weiter, zur Unterkunft zurück. Wollen los. Platten. Guidos Rad hat plötzlich Platten! Was soll das denn?! Naja ... kurz aufpumpen, für die 8 km wirds schon reichen. Fahren mit Lutz, Annemarie und "ich hab den Namen vergessen" zur Unterkunft, Zwischenstopp bei Netto, Wasser kaufen. Kurzer Schwatz mit Passanten. Ungläubige! Wollen nich glauben, dass wir nicht geschlafen haben unterwegs.
Da! Duschen! Futtern! Versuchen, Fußball zu gucken! Doch müde! Sehr müde! Gehen an Strand und schlafen dort ein!
Selig! Wir sind da! Wir habens getan! Vom Berg ans Meer!
Fazit:
Auf jeden Fall wieder! Ein sympathischer Wahnsinnsritt.
Die Verpflegung in den Pausen war total klasse. Vielfältig vor allem.
Schon wieder Glück gehabt mit dem Wetter. :-D
Der weiche Huppel der Nacht war ein frisches totes Tier. Dies hat uns das Blut an der linken Pedale verraten.
Vier Tage danach saßen wir wieder im Sattel.
Wir hätten uns auch Gruppe 2 vorstellen können, wenn das Tempo in den Bergen nicht so hoch gewesen wäre (also für Ines hier gesprochen)
Dass das Feld zu Temporeduzierung "verdonnert" wird, wenn jemand wegen Defekt kurz nach hinten rausfällt, wollen wir nochmal ausdrücklich loben. So muss das sein und so bleibt der Spaß am Fahren erhalten!
Gruppe 4: Respekt! Euer Hintern musste am meisten leiden.
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